Leseprobe aus dem neuen Buch von Bernd Fritsch

„Das Kleinod des Shankara“

     
Shankara 
Das Kleinod des Shankara
Bernd H. Fritsch
152 Seiten, Paperback BOD-Verlag
ISBN 9783842363786

 

 

Lebhaftes Ego–Denken verursacht starke Emotionen. Diese treiben Ablehnung und Begehren voran. Diese wiederum verstärken die Emotionen. Aus dieser Spirale entstehen Begehren, Leidenschaft, Hass, Gier und Leid.

61. Unwissenheit, Trägheit, Dummheit und Unachtsamkeit sind die Auswirkungen von Tamas. Wer darin gefangen ist, befindet sich auch im Wachen in einer Art Traumzustand.

62. Durch die Macht von Tamas entsteht ein Schleier der die Wirklichkeit überdeckt. Es ist die Macht von Tamas, welche die Dinge anders erscheinen lässt, als sie sind. Durch Tamas bekommt Rajas freie Bahn. Unwissenheit und Dumpfheit ist auch die Ursache der wiederholten Seelenwanderung.

Auch wenn alle unsere Handlungen zur Illusion der Maya gehören, so sind sie für die duale Ebene nicht bedeutungslos. Sie unterliegen dem Gesetz von Ursache und Wirkung, wie es überall in der Welt der Formen beobachtet werden kann. In weiterer Folge bewirken sie unser Karma. Das heißt gute Handlungen bewirken gutes Schicksal. Ebenso fallen eigensüchtige, lieblose Handlungen auf den Verursacher zurück.

 

 

 

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Maya die große Illusion

54. Die Göttin Maya symbolisiert die Kraft, die allen Erscheinungen zugrunde liegt. Maya gebiert das ganze Weltall.

55. Maya wird auch die große Illusion genannt. Sie hat keinen Anfang und wirkt jenseits aller Wahrnehmungen. Sie besteht aus den drei Gunas. Durch weisheitsvolle Beobachtung der Gunas kannst du die Kräfte der Maya erkennen.

Das universale Bewusstsein, Gott oder Brahman genannt, spielt ein seltsames Spiel. Es schenkt dem Menschen den Mind, bestehend aus Gedanken, Gefühlen und Erinnerungen. Dieser Mind verirrt sich durch den Einfluss der Maya in Illusionen.

Der Mensch glaubt durch seine Sinnesorgane in Verbindung mit seinem Verstand die Welt wahrzunehmen wie sie „wirklich“ ist. Das ist große Täuschung.

•   Diese zeigt sich schon darin, dass unsere Sinnesorgane nur wahrnehmen wofür sie geeignet sind. Eine Fledermaus beispielsweise, nimmt durch Ultraschallwellen, die sie aussendet und deren Reflexion sie empfängt, die Umwelt ganz anders wahr als der Mensch. Wir sehen nur einen kleinen Ausschnitt der Welt.

•   Für unsere Sinne gibt es eine feste, flüssige oder gasförmige Materie. Wie die Atom–Wissenschaft bestätigt, besteht all diese Materie nur aus energievoller Schwingung. Diese Energie verändert sich laufend. Die Formen kommen und vergehen. Das ist das Spiel der Maya.

•   Der Mensch registriert von hunderttausenden Sinnes–Eindrücken nur das, worauf er programmiert ist und was ihn interessiert. Eine Frau sieht in einer Straße mit vielen Geschäften und Auslagen ganz andere Dinge als ein Mann.

•   Jede Wahrnehmung wird von unserem Mind sofort analysiert, etikettiert und in unser Denk– und Gefühlsschema eingeordnet. Der Mind funktioniert entsprechend seinen Denk–, Gefühls– und Beurteilungsmuster. Wir erkennen daher die Welt nicht wie sie ist, sondern wie wir sie beurteilen.

Der gewöhnliche Mensch hat nur den Zugang zur sinnlich wahrnehmbaren Welt. Er sieht nicht die Dimension jenseits der Gedanken. Dadurch hat er eine sehr eingeschränkte und verzerrte Perspektive. Das ist die Ursache seiner Probleme.

56. Maya ist weder Sein noch Nicht–Sein noch hat sie Teil an beiden. Sie ist weder geteilt noch ungeteilt, noch eine Mischung von beiden. Sie ist höchst wundersam. Ihr Charakter ist schwer zu beschreiben. 

57. Durch die Erfahrung des Brahman, des Einen ohne ein Zweites, kann man das Spiel der Maya durchschauen.

58. Die drei Gunas durch die sich Maya offenbart, werden Rajas, Tamas und Sattva genannt. Sie haben unterschiedliche Eigenschaften:

Die Kräfte der Maya wirken für den Mind wie ein Kaleidoskop. Es ist dies ein Rohr, welches durch mehrere eingebaute Spiegel für den, der durch das Rohr blickt, Gegenstände stark verändert erscheinen lässt. Die Spiegel im Kaleidoskop sind vergleichbar mit den drei Gunas – Rajas, Tamas und Sattva. Die drei Gunas sind die Kräfte durch welche die Maya wirkt. Je nachdem wie die drei Gunas zusammenwirken entsteht ein anderes Bild von der Welt.

Was wir als die „objektive Welt“ erachten gleicht einer Fata Morgana. Ihre Luftspiegelung existiert, zugleich aber täuscht sie etwas vor. Wie jeder weiß kann niemand seinen Durst an einer Fata Morgana stillen.

59. Die Natur von Rajas ist Tätigkeit. Durch seine Kraft beginnt sich die Welt zu entfalten. Durch Rajas werden fortlaufend Bindung, Begierde und mentale Zustände, wie Kummer und Leid hervorgebracht.

60. Lust, Zorn, Geiz, Hochmut, Selbstsucht, Gier, Neid, Eifersucht und andere solche Schwächen resultieren aus Rajas. Es sind Eigenschaften, die mit den weltlichen Neigungen der Menschen zusammen hängen. Sie prägen das Ego und sind die Ursache für die Verstrickung in die Welt der Formen.